AIKIDO - die friedliche Kampfkunst --- Stefan Stenudd

Inhalt

Vorwort
Vorwort zur zweiten Auflage

Die Prinzipien des Aikido
Die unmögliche Kampfkunst
Kein Gegner, kein Kampf
Morihei Ueshibas Weg
Wasser, Luft und Vakuum
So wie die Jungen
Weiblicher Vorteil
Von sich werfen
Können oder lernen
Hier und jetzt
Gemeinsame Fahrt
Die Sache mit der Selbstverteidigung
Wohlbehagen

Die Grundlagen des Aikido
Do - der Weg
Ki - Lebensenergie
Ai - Harmonie
Dreieck, Kreis und Quadrat
Tanden - das Zentrum des Körpers
Aiki - Rhythmus und Richtung
Kiai - Kraft sammeln
Kamae - die perfekte Stellung
Kokyu - Bauchatmung
Ma-ai - der sichere Abstand
Irimi, tenkan - nach innen, nach außen
Omote, ura - Vorderseite, Rückseite
Gotai - statisches Training
Jutai - weiches Training
Ki nagare - fließendes Training
Zanshin - der ausgestreckte Geist
Uke - der geführt wird
Keiko - trainieren, trainieren, trainieren
Takemusu - grenzenlose Improvisation
Nen - eins mit dem Augenblick
Kototama - die Seele der Wörter

AIKIDO - die friedliche Kampfkunst
Stefan Stenudd
Übersetzung: Sabine Neumann
© Stefan Stenudd 2006
Arriba Verlag, Box 6001, 200 11 Malmö
www.arriba.se

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Thanks to Norbert Lender



Dreieck, Kreis und Quadrat


Brandbergen, c.1984.
Brandbergen, c. 1984.

Drei der wiederkehrenden Symbole für Aikido sind die drei geometrischen Figuren Dreieck, Kreis und Quadrat. Diese lassen sich auf mehreren verschiedenen Ebenen erklären. Teils sind sie Bilder dafür, wie Aikido ausgeführt werden sollte, teils sind sie mit der östlichen Philosophie verknüpft.

Das Dreieck repräsentiert die Grundposition hanmi gamae, da die Füße und der Körper in ihren Richtungen eine trianguläre Form andeuten. Ebenso, auf einer höheren Ebene, zeigt das Dreieck, wie man dem anfallenden Partner begegnet - mit einem Schritt nach vorne. Wenn der Partner die Grundlinie des Dreiecks ist, so ist der erste Schritt eine der Seiten des Dreiecks. Also niemals gegen die Kraft, sondern neben sie.

Der Kreis zeigt, wie man Aikidotechniken ausführt - in gerundeten Formen um das Zentrum des Partners so wie um das eigene Zentrum herum. Jeder Kreis hat, wie osensei betonte, ein Zentrum. Deshalb ist der Kreis ein Symbol sowohl für die kreisförmigen Bewegungen des Aikido als auch für das Zentrum des Körpers, der Mittelpunkt für alle Bewegungen sein muss. Vielleicht wäre es noch richtiger, die Ellipse als Symbol dafür zu verwenden. Teils hat sie eine Krümmung, die besser zu den Bewegungen des Aikido passt als die des Kreises, und teils hat sie zwei Brennpunkte, zwei Zentren - das eigene und das des Partners.

Das Quadrat steht für Entschlossenheit und Kraft, wie etwa in der Festhalteposition, mit der die meisten Aikidotechniken abgeschlossen werden, oder dem Wurf, der den Partner auf eine ganz andere Bahn schickt als dieser geplant hatte. Das Quadrat ist die Schwere und Festigkeit, die man bekommt, wenn man sich auf sein Zentrum konzentriert. Man kann auch sagen, dass man erst mit dem Prinzip des Quadrats Kontakt zu seinem Partner bekommt. Sowohl das Dreieck als auch der Kreis sind ihrer Natur nach ausweichend, aber mit dem Quadrat kommt eine Begegnung zustande. Ohne eine solche wäre Aikido nichts als ein vorübergehender Windhauch, ein Nebel, der an und für sich jeden Angriff aussichtslos machen würde, der jedoch niemandens Entwicklung vorwärtsbringen könnte.

Morihei Ueshiba sprach auch von der Vereinigung der drei Symbole in einem einzigen, so dass sie zusammen gezeichnet werden, zum Beispiel mit dem Dreieck im Kreis im Quadrat. Er sagte:

"Wenn das Dreieck, der Kreis und das Quadrat eins werden, bewegen sie sich in sphärischer Rotation zusammen mit dem Ki-Fluss, und es entsteht das Aikido, das die Klarheit der Sinne und des Körpers ist (sumi-kiri)."

Nicht nur innerhalb Aikido sind diese drei geometrischen Figuren bedeutungstragende Symbole. Im Zen kommen sie auch vor, ebenso im Taoismus und in vielen anderen Bereichen. So ist der Kreis gewöhnlich ein Bild für das All - oder für das Nichts. Das Quadrat steht für das Weltliche, die Materie, wie die Bausteine in Häusern und Mauern. Das Dreieck repräsentiert oft göttliche Prinzipien, auch in der Dreifaltigkeit des Christentums.